Wacken 2019 im Rollstuhl

Veröffentlicht: | Von Sunrise Medical
Wacken 2019 im Rollstuhl

Andrea Schütt - Wacken 2019Moin aus Itzehoe,

das Wacken Open Air 2019 ist schon wieder vorbei und wir hatten erneut eine megametaltolle Party! Wer wir sind? Andrea Schütt, 49 Jahre alt mit meiner gepimpten Mücke (Rollstuhl), auf die ich seit 2010 wegen meiner Multiple Sklerose angewiesen bin, sowie Scrat, der noch einen kleinen Freund dabei hatte.

Ich habe bereits in den Artikeln Wacken Open Air 2017 im Rollstuhl und Barrierefreies Festival: Wacken 2018 von meinen Erfahrungen erzählt. Warum berichte ich wieder von meinen Erlebnissen im Sunrise Medical-Blog auf dem W:O:A? Ganz einfach, hier sind alle Metalheads gleich – ob groß, ob klein, dick oder dünn, welcher Herkunft oder Handicap - wir begegnen uns auf Augenhöhe, was als gehandicapter Mensch nicht immer selbstverständlich ist – auf Wacken schon.

Aber nun geht’s endlich los:

Zum 30. Mal öffnete der kleine Ort Wacken in Schleswig-Holstein seine Pforten, um uns Metalheads aus aller Welt zum größten Heavy-Metal-Open-Air-Festival, dem W:O:A zu begrüßen. Wie immer starteten wir bereits am Montag Richtung Wacken mit einer tollen Running Order im Gepäck. Über Slayer, Airbourne, Powerwolf, Bullet for My Valentin, Saxon, Sabbaton zu Beyond the Black und - kein Metal, aber gut – The Boss Hoss, Santiano und Fiedlers Green - um nur einige zu nennen. Es versprach mal wieder mächtig was auf die Ohren. Also Leute - Rock the party – louder than hell!

Auf der Wheels of Steel-Area angekommen, freuten wir uns schon riesig auf das Team der Servicestation für Rollstuhlfahrer. Nicht nur, weil das Team wichtig ist um mir eine Teilnahme am W:O:A als Rollifahrer überhaupt zu ermöglichen, sondern weil es über die Jahre eine große Familie geworden und ein beliebter Treffpunkt ist.

Aber erst mal Zelte aufbauen. Himmel, was ist denn hier los!

Zeltaufbau Wacken 2019

Okay, die Idee am Montag anzureisen hatten wir also nicht alleine. Es waren schon so viele bekannte Gesichter da. Ich muss schon sagen – Wacken ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Dorf – denn in den nächsten Tagen trafen wir noch so viele, auch aus dem eigenen Bekanntenkreis. Da denkt man - ist doch gar nicht möglich bei über 75.000 Metalheads. Doch, ist es (grins)!

Andrea mit Juliane - Wacken 2019Aber nicht nur bekannte Gesichter liefen uns über den Weg, wir lernten auch viele neue Menschen kennen. So wie Juliane, 20 Jahre alt, durch einen Schlaganfall, bereits im Mutterleib, auf einen Rollstuhl angewiesen. Das hält sie jedoch nicht davon ab Jura zu studieren, um für ihre Belange und die von Anderen zu kämpfen. Sie klettert in ihrer Freizeit, schreibt und geht gewandet auf Mittelalterfeste. Und nun war sie zum ersten Mal auf dem W:O:A. Wie es dazu kam, ist schon eine tolle Story und zeigt mir einmal mehr, dass sich Spontanität auszahlt auch mit Handicap. Auf dem MPS in Bückeburg lernte sie eine Gruppe kennen. Im Gespräch kamen sie auf das W:O:A und sie wurde aus der Feierlaune heraus gefragt: „Wir haben noch eine Karte – willste mit?“ Das war 14 Tage vor Wacken! Nachdem Juliane die Leute in den folgenden Tagen näher kennenlernte, stand für sie fest – ich fahre mit. Gesagt getan, organisierte sie kurzerhand ihre Begleitung, ohne die es nicht geht und nun saß sie mir gegenüber auf ihrem umgebauten Segway und strahlte über das ganze Gesicht. Juliane, ich ziehe meinen Hut – zu dieser Aktion gehört viel Mut, auch schon für jemanden ohne Einschränkung, und ich freue mich mega für dich.

Und was war mit dem Wetter?

Wetter auf dem Wacken 2019

Fast perfekt! Und das auf dem W:O:A - eigentlich berühmt-berüchtigt für Regen und The Holy Wacken Schlamm. Neben einem guten Sonne/Wolkenmix gab es kleinere Regenschauer, die den Staub wegspülten, das Gelände aber nicht matschig werden ließ. So konnte ich dieses Jahr fast ohne die Hilfe das Festivalgelände unsicher machen. Yiihhaa! Ungewöhnlich und hatte ich bis dato auch noch nicht erlebt – das W:O:A-Team musste zweimal das Festivalgelände wegen Unwetterwarnungen räumen zum Schutz ihrer Festivalbesucher. Gott sei Dank blieben wir jedoch von den Unwettern weitestgehend verschont, während diese jedoch im Umland wüteten. Liebes W:O:A-Team, vielen Dank für eure Fürsorge!

Crew Sunrise Medical - Wacken 2019

Und wie geht das alles mit Rollstuhl?

Das Wohl ihrer Gäste liegt dem W:O:A sehr am Herzen und auch wir Menschen mit Handicap gehören selbstverständlich dazu. Inklusion wird großgeschrieben. Es wird eine Menge getan, damit wir ihr Festival so barrierefrei wie es eben geht, erleben können. Neben der Wheels of Steel-Area in unmittelbarer Infield-Nähe, wurde das WOA-Team u. a. von der Servicestation für Rollstuhlfahrer, initiiert von Sunrise Medical und dem Sanitätshaus ThiesMediCenter, unterstützt. Hier gab es Leihrollstühle und Unterarmstützen im coolen WOA-Style für fußkranke Metalheads, Physiotherapie mit Tapen des Wacken-Nackens, Reparatur von Rollstühlen und Prothesen, Lagerung von kühlpflichtigen Medikamenten sowie Aufladen von elektrobetriebenen Rollstühlen, um nur einige Services zu nennen und nachzulesen auf der Homepage des Veranstalters und in der eigens für Metalheads mit Handicap entwickelten Infobroschüre. Unverzichtbar für die Vorbereitung auf das Festival. Getreu dem Motto „You’ll never roll alone“!

Servicestation Sunrise Medical bei Wacken 2019

Ganz lieben Dank, dass ihr meinen E-Motion-Antrieb wieder fit bekommen habt und ich diesen bei euch aufladen konnte. Da verlangte das Gelände – auch wenn es trocken war – mehr Futter als üblich. In dieser Zeit fegte ich gerne mit dem Frontier V6 oder den Extreme X8, den neuen Offroad-Elektrorollstühlen von Magic Mobility, übers Gelände. Hei, haben die beiden Spaß gemacht – nicht nur flott und wendig unterwegs - Kanten fahren (der Extreme X8 hat Allradantrieb!) und Pfützen sowie Schlamm machten den Beiden wenig aus. Da hätte ich mir manchmal, mit einem Augenzwinkern, mehr vom Holy Wacken Schlamm gewünscht (grins).

Thies Medi Center Wacken 2019 Rollstuhl

Foto von Thies Medi Center

Neben den über 200 Bands, die uns Musik vom Feinsten auf 11 Bühnen boten, gibt es noch so viel mehr zu erleben auf dem W:O:A. So gehört für mich immer – sofern das Gelände es mitmacht – ein Besuch bei den Wasteland-Warriors dazu. Natürlich bliebt auch der Ort Wacken nicht von uns verschont – so ist das Bierchen und Jägermeister in der „Old Metal Bar“ eine liebgewonnene Tradition. Und nicht zu vergessen: Der inoffizielle Start des W:O:A, durch die legendären Wacken Firefighters am Mittwoch – der dieses Jahr wegen der 1. Unwetterwarnung unterbrochen und am Freitag fulminant nachgeholt wurde.

Der Platz reicht nicht aus, es gäbe noch eine Menge mehr zu erzählen. Nur so viel, es war ein unvergessliches Festival – eine gei… ups geniale Party! Lieben Dank an alle, die mir das möglich gemacht haben.

In diesem Sinne, wir freuen uns schon auf nächstes Jahr. Die Karten sind bestellt und die Vorbereitungen haben schon begonnen – denn nach Wacken ist vor Wacken.

See you in Wacken – rain or shine

Eure Andrea mit Mücke und Scrat

PS: Und wer noch nicht genug hat - hier noch ein paar Bilder und Filmchen – viel Spaß!

Wacken-Impressionen von Andrea

Video: Kanten fahren mit dem Extreme X8 von Magic Mobility

Video: Spaß mit Frontier dem V6 von Magic Mobility

Video: ...und noch mehr Spaß :)

Wacken erleben mit Beyond the Black:

Instagram-Video von @beyondtheblack_official an:  https://www.instagram.com/tv/B0q7fJSnoAU/?utm_source

Anniversary Show: 30 Jahre Wacken – Offizieller Film vom WOA

30 Jahre Wacken – Spiegel TV online