Mit Rollstuhl und Tuk Tuk durch Kambodscha

Veröffentlicht: | Von Sunrise Medical
Mit Rollstuhl und Tuk Tuk durch Kambodscha

Ich heiße Mitch St. Pierre, und ich habe Osteogenesis imperfecta. Mit anderen Worten: Meine Knochen sind so zerbrechlich wie Glas. Daher bin ich auf den Rollstuhl angewiesen. Ihr denkt euch sicher, was zum Teufel hat ein Mensch mit Glasknochenkrankheit im kambodschanischen Dschungel zu suchen – im Rollstuhl, kilometerweit von der nächsten Zivilisation entfernt? Sagen wir, ich stehe auf Abenteuer. Ich bin durch den Dschungel im Norden Kambodschas gereist, zusammen mit meinem guten Freund Shawn aus Kanada, und unserem neuen Freund Max, der an meinem Hotel tätig ist.

Es passierte zu einer unsäglichen Stunde, mitten in der kühlen Nacht Kambodschas. Shawns Stimme riss mich unsanft aus meinem Schlaf.

„HEY KUMPEL! Da ist was, da draußen!“

Ich dachte Shawn war mal wieder zu Scherzen aufgelegt, doch ich blieb trotzdem wachsam. Dann hörte ich es. Es klang wie ein blutrünstiger Pterodaktylus, sein Schrei schnitt durch die tiefschwarze Nacht. Wir fühlten uns dem Ende nahe. Alles was wir tun konnten, war, uns zitternd festzuhalten und das Beste zu hoffen, doch das Schlimmste zu erwarten. „Das stand nicht im Vertrag!“, schoss uns beiden durch den Kopf.

Nachdem ich im Jahr 2011 mit Shawn einen Dokumentarfilm gedreht hatte, war ich von dieser Gegend angezogen. Ich habe also ein kleines Resort-Hotel in Siem Reap, Kambodscha, erworben. Das Hotel besitzt einen Pool, eine Bar und ein Restaurant. Es ist ein gemütlicher Ort für jeden Reisenden. Seit drei Jahren leite ich das Hotel. Siem Reap ist die Heimat von Angkor Wat, dem größten religiösen Monument und Tempel-Komplex auf der Welt. Es hat auch weitere exotische Ziele anzubieten wie schwimmende und überflutete Dörfer. Meinen Aufenthalt in Siem Reap haben sie erst recht lohnenswert gemacht. Doch es geht nichts über Kambodschas offene Landschaften und die Erkundung von Orten, die nie ein Tourist zuvor gesehen hat.

Reiseziel: Siem Reap

Vier Nächte. Unser Ziel: Das Land auf einem Tuk Tuk durchqueren und in Phnom Penh, der Hauptstadt, starten, und bis hin nach Siem Reap fahren. Das Gefährt hatte ich erst vor kurzem erworben. Es ist so etwas wie eine Motorrad-betriebene Rikscha. Den Tuk Tuk musste ich irgendwie nach Hause transportieren. Also haben wir uns gedacht, dass wir daraus ein Abenteuer machen und bis nach Siem Reap im Nordwesten damit fahren sollten.

Nachdem wir in Phnom Penh gestartet sind, fuhren wir entlang des großen Mekong-Flusses gen Nordwesten. Bei Sonnenuntergang fanden wir ein Kloster, wo wir Unterschlupf für die Nacht fanden. Nachdem wir am nächsten Tag von den Mönchen geweckt wurden, fuhren wir weiter bis nach Stung Treng. Wir hatten bereits eine halbe Tagesreise hinter uns gebracht, ehe wir feststellten, dass wir fälschlicherweise in Richtung Grenze nach Laos gefahren sind. Wir mussten also den ganzen Weg zurück und den Fluss Mekong mit der Fähre überqueren. Auf der anderen Seite angekommen, verbrachten wir die Zeit damit, den Sonnenuntergang über die unberührten Landschaften nördlichen Kambodschas hinterherzujagen.

Ich frage mich immer noch wie wir es geschafft haben. Von den langen Tagesreisen, der unsäglichen Hitze bis hin zu den staubigen und unebenen kambodschanischen Dschungelstraßen. Vergiss nicht, dass wir 16 Stunden am Tag nur im Tuk Tuk saßen. Die größere Herausforderung lag allerdings darin, entlang unbekannter Straßen zu navigieren, doch auch das gelang uns irgendwie.

Auf der Suche nach dem Nervenkitzel

Die brennende Sonne und das Fahren mögen zwar nervig gewesen sein, doch die Krönung des Ganzen war das seltsame Essen. Wir waren es jedenfalls nicht gewohnt, die meisten Menschen hätten es wohl als merkwürdig bezeichnet. Es gab Eier mit Kükenembryonen bis hin zu gekochten Piranha-Köpfen. Die Liste war endlos. Unsere Reise entsprach allem, was du dir unter einer exotischen Kambodscha-Expedition vorstellst. Auch wenn ich es genoss, aßen wir nicht besonders viel. Aber ich empfehle jedem, die Sachen mal auszuprobieren. Vielleicht im Rahmen einer Ernährungsumstellung.

Nach einem langen, heißen und anstrengenden Tag sehnten wir uns nach den Nächten. Shawn, Max und ich würden irgendwo anhalten, etwas trinken und unseren abenteuerreichen Tag Revue passieren lassen. Wenn man uns so ansah, könnte man kaum glauben, dass Shawn und ich in zehn Jahren jeden Winkel der Erde gesehen haben. Dank unserer wilden Expeditionen hatten wir viele Geschichten zu erzählen. Einige geraten mittlerweile in Vergessenheit.

Shawn habe ich vor 13 Jahren an der Universität kennengelernt. Hier entdeckten wir unsere gemeinsamen Interessen: Unsere Leidenschaft für Natur und Abenteuer machte uns zu besten Freunden.

Tuk Tuk & Rollstuhl in Kambodscha - Kurze Rast

Seit unserem ersten Abenteuer packte uns die Wanderlust. In Lateinamerika begann unserer neuen Leben. Wir reisten insgesamt vier Monate lang, ich in meinem SOPUR-Rollstuhl. Und wir Dinge im Leben, die alles andere als gewöhnlich waren. Von Raubüberfällen mit vorgehaltener Waffe bis hin zum Stranden auf verlassenen Inseln – wir haben alles erlebt. Du denkst bestimmt, dass wir an posttraumatischer Belastungsstörung leiden. Doch diese Momente machen unser Leben aus. Durch diesen Nervenkitzel macht alles interessanter und ermuntert uns dazu, weiter zu gehen.

Verborgene Geheimnisse der Wildnis

Ihr fragt euch sicherlich, was mit uns geschah, als wir den lauten Schrei mitten in der Nacht gehört haben? Um es kurz zu fassen: Wir leben noch. Also nein, wir wurden weder gefressen, noch haben wir jemals erfahren, was das war. Wir haben zwar eine Audio-Aufzeichnung, doch das Ungeheuer haben wir nie gesehen. Allerdings haben wir gelernt, unser Leben erneut wertzuschätzen. So etwas können nur Menschen nachvollziehen, die dem Tod schon einmal ins Auge blickten.

Als wir in Siem Reap endlich ankamen, konnte ich weder meinen noch den Gestank meiner Freunde ertragen. Froh darüber zu sein, Zuhause zu sein, ist eigentlich eine Untertreibung. Ich konnte endlich wieder zwei- oder dreimal am Tag duschen und nicht, wie im Dschungel, einmal alle sieben Tage.

Es schwingt eine gewisse Nostalgie mit, wenn ich auf dieses und alle anderen vergangenen Abenteuer meines Lebens zurückblicke. Nach jedem Abenteuer folgte stets ein neues. Es war niemals das Gleiche. Ich erinnere mich daran, dass ich stets nervös darüber war, was unterwegs passieren könnte. Doch immer und immer wieder bin ich aus diversen Situationen gestärkt hervorgegangen.

Eine wichtige Lektion, die ich in all den Jahren auf Reisen gelernt habe, ist, dass man ruhig Angst vor dem Unbekannten haben darf. Es ist allerdings wichtig zu wissen, dass alles gut gehen wird, egal was passieren mag. In den letzten zehn Jahren bin ich viel umhergereist und habe viel erlebt. Und da ich darüber schreiben kann, bin ich der lebende Beweis dafür, dass alles möglich ist und es keinen Ort auf der Welt gibt, den du nicht erreichen kannst.

Ich hoffe, du schaust demnächst wieder in unserem Blog vorbei, um mehr von meinen Abenteuern zu lesen. Und mit diesem folgenden Zitat unbekannten Ursprungs beende ich meinen Beitrag: „Im Hafen ist ein Schiff sicher, aber dafür wurde es nicht gebaut.

ÜBER DEN AUTOR

Mitch St. PierreMitch St. Pierre ist ein internationaler Geschäftsmann, Weltenbummler, politischer Berater, Filmemacher und ehemaliger Kandidat der kanadischen Liberal Party. Mit seinem SOPUR-Rollstuhl hat er mehr als 40 Länder bereist. Dadurch hat er eine einzigartige Sicht auf die Welt erhalten, die nur wenige Menschen bislang kennen.

Egal, ob in den asiatischen Megastädten oder den Dschungeln Kambodschas, Mitch vergisst nie seine Rolle im kanadischen International Trade Komitee. Er hat alles gesehen, gefühlt und gehört. In Asien betreibt der geschäftstüchtige Mitch mehrere Firmen, unter anderem Hotels, Restaurants und im Tourismusgeschäft.

Sein erster Film wurde landesweit vom kanadischen Staatssender Canadian Broadcasting Corporation (CBC) und Current TV in den USA ausgestrahlt. Er konzentriert sich auf die abgelegensten Gegenden der Welt. Politisch macht Mitch sich für Konfliktregionen stark. Er hat große Weltenlenker kennengelernt, wie den ehemaligen US-Präsident Barack Obama, den ehemaligen kolumbianischen Präsidenten Álvaro Uribe und viele weitere einflussreiche Figuren.

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