Abdi Jama: Der Lowpoint-Avantgardist aus Großbritannien

Veröffentlicht: | Von Sunrise Medical
Abdi Jama: Der Lowpoint-Avantgardist aus Großbritannien

Der in Somalia geborener Engländer Abdi Jama ist dreifacher Europameister und zweimaliger Paralympics-Bronzemedaillengewinner. Ebenso ist er ein liebender Familienvater und gläubiger Muslim. Ganz besonders sticht heraus, dass er einer der besten Lowpointer der Welt ist, dem der Rollstuhlbasketball-Sport den Lebensweg neu geebnet hat. Heute wird er sportlich und menschlich von vielen als Vorbild gesehen.

Artikel aus dem Magazin Rollt. #18. Text: Nico Feißt.

Im Alter von sechs Jahren ist der heute 35-Jährige aus Somalia nach England geflüchtet. Acht Jahre später verletzte er sich bei einem Sturz aus dem Fenster an der Wirbelsäule so schwer, dass er seither im Rollstuhl sitzt. Als sein heutiger Nationalmannschaftskollege Ade Orogbemi in einer Schule in Liverpool eine Rollstuhlbasketball-Einheit gibt, ist Jama auch da und wird niemals das Gefühl vergessen, wie er sich in den Sport verliebte.

Abdi Jama in Siegerpose

In Liverpool fand er mit den Vikings seinen ersten Club, 2006 debütiert er in der Nationalmannschaft und gewinnt 2008 in Peking Paralympics-Bronze. Das wertet er bis heute als größten Moment, „weil wir damals eigentlich keine Chance hatten.“ gibt der Brite uns zu Protokoll und erklärt weiter „Wir haben alle überrascht und das war der Beginn meiner Paralympics-Journey. Ich liebe diese Alles-oder-Nichts-Spiele, wo du nach Hause fährst, wenn du verlierst. Aber auch die anderen Titel waren phänomenal.“ Drei Europameister-Titel folgten zwischen 2011 und 2015, in Italien und Australien wurde er Meister und holte 2016 in Rio zum zweiten Mal Bronze, nachdem das Team 2012 bei den Heim-Paralympics im Spiel um Platz drei verloren hatte.

Was ihn so wertvoll macht, weiß Jim Palmer zu berichten, britischer U23-Nationalspieler von den Rhine River Rhinos Wiesbaden, der wie Jama mit 1,0 Punkten klassifiziert ist: „Abdi Jama hat das Spiel für Lowpointer verändert, weil er ein intelligenter Spieler und konstanter Schütze ist. Das bedeutet für Team GB, dass andere Mannschaften ihn richtig verteidigen müssen und sich dadurch für den Rest des Teams viele Möglichkeiten auftun.“

Abdi Jama weint

Avantgardist Jama wird von vielen als bester Lowpointer der Welt gesehen und bringt Gegner und Mitspieler gleichermaßen ins Schwärmen. Der Journalist und Rollstuhlbasketballer Daniel Stange schrieb daher Ende 2013 in Ausgabe Nummer vier von Pick and Rollt.: „Jama ist einfach der Hammer – sein Spiel sieht egoistisch aus, aber er ist enorm produktiv.“ Damals spielte der Brite eine Saison in Zwickau und sagt heute: „Ich habe die Liga geliebt. Die Zuschauer waren sensationell. Wir haben Lahn-Dill, eines der besten Teams Europas, lange Zeit gepusht, aber am Ende waren sie stärker. Wer weiß, vielleicht komme ich eines Tages wieder nach Deutschland. Ich würde gerne noch mal hier spielen.“

Außerhalb des Feldes sieht sich der gläubige Muslim als entspannt und lässig, verbringt Zeit mit seiner Familie und bietet sozial benachteiligten Kindern und Jugendlichen eine Perspektive – so wie es bei ihm damals der Rollstuhlbasketball getan hat. „Ich habe Freunde, die im Gefängnis sitzen, und wenn ich nicht wegen des Unfalls zum Basketball gekommen wäre, säße ich wahrscheinlich bei ihnen“, hatte er in einem oft zitierten Interview der BBC gesagt. Heute spricht er davon, dass er Kinder inspirieren möchte: „Nichts kommt von alleine, hinter allem steckt harte Arbeit. Rollstuhlbasketball wird größer werden und ich will dafür ein Vorbild sein.“

Abdi Jama - Geste mit Gegner

Für seinen nächsten Besuch in Deutschland hat er übrigens schon konkrete Pläne. Bei der Weltmeisterschaft in Hamburg im August möchte er mit dem Team GB eine Medaille holen: „Die fehlt mir als einzige Große noch. Die WM bietet neben den Paralympics die größte Bühne der Welt und da wollen wir vorne dabei sein.“

Mehr zur Rollstuhlbasketball-WM auf unserer Themenseite.

Mehr zu Abdi Jama findet man zudem auf unserem Team Sunrise-Profil.

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